logo

Visionen - Basis der strategischen Zieldefinition

„Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man sich sehnt, dann gibt es auch kein Mo­tiv, sich anzustrengen.“ (Erich Fromm)

Langfristig erfolgreiche Unternehmensführung bedarf der Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. Zu wissen, wofür das Unternehmen steht, welchen Sinn die geleistete Arbeit hat, selbstständiges Handeln, eigenständig Entscheidungen treffen und das Gefühl, seinen Beitrag an der Zielerreichung zu leisten, trägt u. a. dazu bei, eine emotionale Unternehmensbindung entstehen zu lassen. Ordnungsrahmen und Identifi­kationsfläche hierfür kann eine Vision schaffen. Klar for­muliert, realistisch und glaub­würdig, offen kommuniziert und von den Führungskräf­ten vorgelebt, birgt eine Vision das Potential, Mitarbeiter zu begeistern. Eine Vision sollte Antworten auf die Frage lie­fern: „Warum machen wir das, was wir machen?“

Sie vermittelt die langfristige Ausrichtung des Unternehmens, ist aber mehr als nur eine Zusammenfassung der Unternehmensziele. Vielmehr lassen sich aus einer Vision die Unternehmensziele und somit die Entwicklungsrichtung eines Unternehmens ableiten. Unternehmensziele stellen die Kernelemente strategischer Planung dar und bilden die Basis des unternehmerischen Handelns im „Jetzt“. Optimalerweise sollten Vision und strategische sowie operative Ziele im Einklang stehen, aufeinander abgestimmt und in sich schlüssig sein. Sie sollten ineinander greifen und die gleiche Absicht verfolgen.

Vision-Strategie-Massnahme

Abb.5: Zusammenspiel von Vision, Strategie und Maßnahmen[1]

 Erfolgreiches Wissensmanagement bedarf, ebenso wie die erfolgreiche Unterneh­mensführung, einer Vision: der Wissensvision.

Eine Wissensvision „[…] gibt den Mitarbeitern einen mentalen Maßstab der Welt, in der sie leben, und orientiert sie über das Wissen, nach dem sie suchen und das sie erzeugen sollen.“[2] So sollte eine Wissensvision, ähnlich wie die übergeordnete Unternehmensvi­sion, als Grundlage der Unternehmensstrategie dienen und diese um die Aspekte der

Wissensstrategie und der Wissensziele auf normativer, strategischer und operativer Ebene ergänzen.

Von der Unternehmensführung zu definierende, wissensbezogene Ziele, können die Basis bilden auf dem Weg zu einer Wissensorganisation. Sie sollten Antwort auf die Frage liefern: „Was will man und was muss man Wissen?“

Hierzu ist es notwendig, dass die drei Zielebenen klar definiert werden:

Normative Wissensziele lassen sich aus der grundlegenden Vision eines Unternehmens und aus der Unternehmenskultur ableiten. Sie können die Basis für die Entwicklung strategischer und operativer Wissensziele bilden.[3] Die Verinnerlichung einer wissensbe­wussten Unternehmenskultur, die sich aus den normativen Zielen ergeben kann, sowie das Verständnis von Wissensmanagement als integratives Modell aller Ma­nagementaktivitäten sollten in einer Organisation verankert sein und von der Un­ter­nehmensführung in allen Entscheidungen aktiv und engagiert mitgetragen werden.   
Mögliche Fragestellungen zur Erarbeitung normativer Wissensziele könnten lauten:

Welches Selbstverständnis leitet uns?
Welches Wissen ist für den Unternehmenserfolg wichtig?
Wie gehen wir mit Wissen um?
Welchen Wert stellt Wissen für uns dar?

 

Strategische Wissensziele leiten sich aus den normativen Wissenszielen ab. Sie definie­ren das organisationale Kernwissen und sollten den zukünftigen Kompetenzbedarf be­schreiben. Sie legen ein anzustrebendes Kompetenzportfolio fest. Erweitert werden sollte der strategische Gesamtplanungsprozess hierbei um Aspekte des langfristigen Kompetenzaufbaus.[4] So ergeben sich Wissensziele und Wissensbedarf.              
Mögliche Fragestellungen zur Erarbeitung strategischer Wissensziele könnten lauten:

Welches sind die Kernkompetenzen unseres Unternehmens?
In welchen Unternehmensfeldern verfügen wir über Wissensvorsprung gegen­über den Mitbewerbern?
Wo liegen unsere Schwächen? Wo besteht oder entsteht Handlungsbedarf?
In welchen Unternehmensfeldern liegen die Zukunftschancen unseres Unterneh­mens?

 

Operative Wissensziele halten fest, wie die zuvor bestimmten Wissensziele in die all­täglichen Aktivitäten des Unternehmens integriert werden können.[5] Sie sorgen für die Umsetzung des Wissensmanagement und sichern die notwendige Konkretisierung der normativen und strategischen Zielvorgaben. Wissensziele auf dieser Ebene sollten exakt beschrieben sein, um diese messbar zu machen. Sie sollten Aufschluss geben über das Zielobjekt, die Zieleigenschaften, den Zielerreichungsgrad, den Zeitraum, die betei­ligten

personellen Wissensträger und den Maßstab zur Messung der Zielerreichung, ohne die eine spätere Bewertung nicht möglich wäre.[6]

Um Vision und strategische Ziele überein zu bringen und die Kernprozesse des Unter­nehmens zu ermitteln, bieten sich u. a. „Balanced Scorecard“[7] und „Portfo­lio-Ana­lyse“[8]  als mögliche Instrumente an.

<< Vorherige Seite Inhalsverzeichnis Nächste Seite >>
[1] Eigene Grafik
[2] Nonaka, I.; Takeuchi, H.: DIE ORGANISATION DES WISSENS – Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressource nutzbar machen; Frankfurt a. M. 2012,S. 269
[3] Vgl. Wirtschaftsinformatik: Wissensmanagement – Wissensziele formulieren; http://informationsmanagement.wordpress.com/2011/03/22/wissensmanagement-wissensziele-formulieren/
[4] Vgl. ebd.
[5] Vgl. ebd.
[6] Vgl. Heilmann, H.: Wissensmanagement ein neues Paradigma?; In: Heilmann, H. (Hrsg.): Wissensmanagement, HMDPraxis der Wirtschaftsinformatik, Heft 208, Heidelberg, August 1999, S. 10f
[7] Die Balanced Scorecard ist ein Konzept das auf die Arbeiten von Robert S. Kaplan und David P. Norton Anfang der 1990er Jahre zurückgeht.
[8] Die moderne Portfoliotheorie geht auf eine Arbeit des US-amerikanischen Ökonomen Harry M. Markowitz aus dem Jahr 1952 zurück.

Veröffentlicht am 17.12.2013 10:53 von SO.